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Hermann Levin Goldschmidt
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Hermann Levin Goldschmidt (geboren 11. April 1914 in Berlin; gestorben 29. März 1998 in Zürich) war ein jüdischer Philosoph.

Contents

Leben
Werke

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Leben

Hermann Levin Goldschmidt war ein Sohn des Rechtsanwalts Robert Levin (1862–1936) und der Irene von Goldschmidt (1881–1936). Sein 1917 geborener Bruder Konrad emigrierte nach England und wurde dort unter dem Namen Hubert Brian Grant Rechtswissenschaftler und Richter.

Im Anschluss an das Abitur 1932 machte Goldschmidt ein Volontariat im Ullstein Verlag. Im Verlauf der schrittweisen Übernahme des Verlags durch den Franz-Eher-Verlag im Besitz der NSDAP wurde ihm 1934 die Stelle gekündigt.

1938 kam Goldschmidt als Student nach Zürich, wo er Philosophie studierte und 1941 mit der Arbeit Der Nihilismus im Licht einer kritischen Philosophie promovierte. Versuche zur Habilitation an der Universität Zürich scheiterten. Bis 1945 war er als Flüchtling zeitweise in einem Schweizer Arbeitslager für Internierte.


Als er 1952 die Aufenthaltsbewilligung erhielt, gründete er in Zürich ein Freies Jüdisches Lehrhaus, das er bis 1961 leitete.

1962 heiratete er Mary Bollag (1913–1992), die Zwillingsschwester des Galeristen Max G. Bollag.

Hermann Levin Goldschmidt lehrte lange Jahre an den Volkshochschulen Zürich und Basel sowie am Lehrerseminar des Kantons Zürich. Daneben war er unter anderem längere Zeit regelmäßiger freier Mitarbeiter der NZZ und beim Schweizer Radio DRS.

Im Anschluss an Hermann Cohen, Franz Rosenzweig und Martin Buber entwickelte er in den 1940er Jahren den Begriff der „Dialogik“. Philosophie als Dialogik, wie auch der Titel seines 1948 erschienenen Buches signalisiert, nahm die Impulse dialogischen Denkens auf und zeigte, dass diese weit über die religionsphilosophischen Bereiche hinaus kritische Geltung für ein Philosophieren nach Auschwitz haben. In seinem 1976 erschienenen Buch Freiheit für den Widerspruch führte er im Einzelnen aus, wie sein dialogischer Ansatz als fruchtbares und damit auch befreiendes Aushalten der Spannung des Widerspruchs zu verstehen ist.

1990 errichtete er gemeinsam mit seiner Frau die Stiftung Dialogik, die bis 2006 mit dem Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich verbunden war. Dort befindet sich auch sein Nachlass.

Er fand auf dem Friedhof Oberer Friesenberg seine letzte Ruhestätte.

Ehrungen und Titel

• 1969 Prof. h. c. der Universität für europäische humanistische Studien, Urbino (Italien)
• 1996 Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst

Werke

Originalausgaben

Philosophie als Dialogik. Aehren, Affoltern am Albis, 1948
Das Vermächtnis des deutschen Judentums. EVA, Frankfurt am Main 1957
Die Botschaft des Judentums. Grundbegriffe, Geschichte, Gegenwartsarbeit, Auseinandersetzung. EVA, Frankfurt am Main 1960
Dialogik. Philosophie auf dem Boden der Neuzeit. EVA, Frankfurt am Main 1964
Abschied von Martin Buber. Hegner, Köln 1966
Weil wir Brüder sind. Biblische Besinnung für Juden und Christen. Mit einem Geleitwort von Klaus Hemmerle. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1975
Heilvoller Verrat? Judas im Neuen Testament (mit Meinrad Limbeck). Mit einem Geleitwort von Anton Vögtle. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1976
Freiheit für den Widerspruch. Novalis, Schaffhausen 1976
Pestalozzis unvollendete Revolution. Novalis, Schaffhausen 1977
Haltet euch an Worte. Griffel, Schaffhausen 1977
Martin Bubers Ringen um Wirklichkeit. Konfrontation mit Juden, Christen und Sigmund Freud (mit Willehad P. Eckert und Lorenz Wachinger). Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1977
Selbstentfaltung und Selbstanalyse. Wie der Mensch wird, der er ist, und was er selber für sich tun kann. Novalis, Schaffhausen 1980
Jüdisches Ja zur Zukunft der Welt. Eine schweizerische Dokumentation eigener Mitwirkung seit 1938. Novalis, Schaffhausen 1981
Weg und Weisung des Alten Lehrers. Tao Te King des Laotse. Selbstverlag, Zürich 1985
Glück heisst Gelingen. Ferner: Epikurs Katechismus. This is not my party. Flaschenpost von Peter Weiss. Die Arche. Selbstverlag, Zürich 1989
Nochmals Dialogik. Selbstverlag, Zürich 1990
Chinas kundige Weisheit – Judentums kündende Gewissheit. Von der Weltschöpfung zur Weltvollendung. Selbstverlag, Zürich 1990
Kunstwege 1929–1991. Selbstverlag, Zürich 1991
Die Frage des Mitmenschen und des Mitvolkes 1951–1992. Auserwählt – die falsche Auslegung. Antisemitismus – hat mit uns Juden nichts zu tun. Selbstverlag, Zürich 1992
Ganzheits-Buch. Sefer Ha' Schlemut (I–III). Selbstverlag, Zürich 1993
Ganzheitsbuch IV. Sefer Ha'schlemut Perek Rewii. Selbstverlag, Zürich 1996
Stoa heute. Selbstverlag, Zürich 1997
Mein 1933. Fotoessay mit Bildern von Edith Moos. Mit einem Nachwort hg. v. Willi Goetschel. Passagen, Wien 2008, ISBN 978-3-85165-833-0

Werkausgabe

Neun Bände, hg. v. Willi Goetschel im Passagen Verlag, Wien:

• 1 Philosophie als Dialogik. Frühe Schriften, 1993, ISBN 3-85165-043-3
• 2 Das Vermächtnis des deutschen Judentums, 1994, ISBN 3-85165-096-4
• 3 Die Botschaft des Judentums, 1994, ISBN 3-85165-133-2
• 4 „Der Rest bleibt“. Aufsätze zum Judentum, 1997, ISBN 3-85165-257-6
• 5 Aus den Quellen des Judentums. Aufsätze zur Philosophie, 2000, ISBN 3-85165-383-1
• 6 Freiheit für den Widerspruch, 1993, ISBN 3-85165-068-9
• 7 Haltet euch an Worte: im ganzen! Texte und Thesen, 2013, ISBN 978-3-7092-0091-9
• 8 Pestalozzis unvollendete Revolution. Philosophie dank der Schweiz von Rousseau bis Turel, 1995, ISBN 3-85165-168-5
• 9 Weil wir Brüder sind. Jüdische Schriften 1935–1998, 2014, ISBN 978-3-7092-0115-2

Literatur

Evelyn Adunka, Albert Brandstätter (Hrsg.): Das jüdische Lehrhaus als Modell lebensbegleitenden Lernens. Passagen, Wien 1999, ISBN 3-85165-391-2.

• Willi Goetschel, John Cartwright, Maja Wicki-Vogt (Hrsg.): Wege des Widerspruchs. Festschrift für Prof. Dr. Hermann Levin Goldschmidt zum 70. Geburtstag. Haupt, Bern 1984, ISBN 3-258-03314-5.
• Willi Goetschel (Hrsg.): Perspektiven der Dialogik. Zürcher Kolloquium zum 80. Geburtstag von Hermann Levin Goldschmidt. Passagen, Wien 1994, ISBN 3-85165-129-4.
• Willi Goetschel: The Discipline of Philosophy and the Invention of Modern Jewish Thought. Fordham, New York 2013, ISBN 978-0-8232-4496-6.
• Willi Goetschel: Dialogik als kritisches Modell: Bild und Wort bei Edith Moos und Hermann Levin Goldschmidt, in: Willi Goetschel (Hrsg.): Hermann Levin Goldschmidt und Edith Moos: Mein 1933, Passagen Wien 2008, S. 106–142 (Nachwort)
Goldschmidt, Hermann Levin. In: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. Saur, München 1983, ISBN 3-598-10089-2, S. 394.
• Jacques Picard: Goldschmidt, Hermann Levin. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
• Jacques Picard: Gebrochene Zeit. Jüdische Paare im Exil. Ammann, Zürich 2009, ISBN 978-3-250-10517-6.
• Peter Weiss: Briefe an Hermann Levin Goldschmidt und Robert Jungk 1938–1980. Hg. v. Beat Mazenauer. Reclam (UB 1424), Leipzig 1992, ISBN 3-379-01424-9.

Weblinks

• Publikationen von und über Hermann Levin Goldschmidt im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek
• Literatur von und über Hermann Levin Goldschmidt im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
• Stiftung Dialogik
• Hermann Levin Goldschmidt in Metzler Lexikon Jüdischer Philosophen
• ETH Zürich: Hermann Levin Goldschmidt (1914-1998), zum Nachlass
• Asaf Angermann: Dialogische Theologie und negative Dialektik: Buber, Adorno und Goldschmidts Dialogik, auf dialogik.org